
Ende April war Europas Presse zu Gast in Wien. Beim European Newspaper Congress wurden die besten Zeitungen gekürt (z. B. die griechische Zeitung “Eleftheros Tipos”) und neue Entwicklungen im Print-Design diskutiert. Mit-Organisator Norbert Küpper fasst die wichtigsten Trends in der Zeitungs-Gestaltung unter sechs Stichworten zusammen:
- Tabloid-Format – kleine Zeitungen sind im Kommen
- Mehr Farbflächen
- Ergänzungen zum Thema (Fakten, Details) und Grafiken
- Größere Fotos, dafür weniger pro Seite
- Für jede Zeitung eine eigene Schrift
- Magazinige Zeitung
- Länderspezifisches (Skandinavische Zeitungen sehen anders aus als italienische)
Professor Michael Haller von der Universität Leipzig stellte am Kongress Untersuchungen zum Leserverhalten vor, die er mit Augenkameras gemacht hat. Seine wirklich spannende Präsentation zeigt zum Beispiel sehr gut, wie die Augen über die Cover-Seite einer Zeitung wandern: Vom Aufmacher-Bild zur Headline, weiter zum Kopf der Zeitung und von da zu weiteren Text- und Bildelementen.
Haller hat vier Einflussgrößen gefunden, um die Lesebereitschaft zu wecken :
1. Seitenbau: Dynamik und Hierarchie
2. Visualität: Bildsprache
3. Die Kunst der kleinen Texte
4. Textdesign: Eye-Cachter (Attraktoren)
Sehr interessant: Auch lange Texte werden gelesen, sofern sie verständlich und spannend geschrieben sind. Schwierige Satzkonstruktionen und unverständliche Wörter bringen die Leser aber selbst bei kurzen Texten sofort zum Aussteigen.
Haller schließt seine Präsenation mit sechs Key-Factors:
- Übersichtliche Seitenhierarchie
- Dreiklang erzeugen: Titel – Vorspann – Texteinstieg
- Klarheit und Transparenz der Formen
- Inhaltliche Beziehung zwischen Bild und Titel (schöne Fotos auf der Titelseite ohne Textanschluss werden von 41 Prozent der Leser schlicht ignoriert)
- Erzähltexte ausbauen (Storytelling)
- Auf jeder Seite Mix an Darstellungsformen (Bericht, Interview, Kommentar)
Vor zehn Jahren ging Google an den Start: Die beiden Gründer Sergey Brin und Larry Page hatten eine neue Software entwickelt, mit der große Mengen an elektronischen Dokumenten rasch durchsucht werden konnten und wollten daraus Kapital schlagen. Für ihre neue Suchmaschine wählten sie den Namen Google, abgeleitet von Googol, der Bezeichnung für die Zahl “10 hoch 100″. Die Domain Google.com reservierten sie bereits im Herbst 1997, im September 1998 wurde dann Google Inc. ins Handelsregister eingetragen (genau so wie es sein soll: Zuerst URL sichern, dann Firma anmelden).
Heute liegt die Börsenkapitalisierung von Google über jener von IBM und der Begriff steht an der Spitze der 100 bekanntesten Marken (im aktuellen Marken-Ranking von Millward Brown Optimor liegt Yahoo übrigens auf Platz 62). Google hat in den ersten zehn Jahren ein komplett anderes Verständnis der Wissensökonomie etabliert und einen Medienkonzern gänzlich neuer Art geschaffen, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: “Google… ist ein Medienunternehmen, das die wichtigsten Positionen, die es in einem solchen Haus üblicherweise zu besetzen gibt – Redaktoren und Anzeigenverkäufer - abgeschafft hat. Google verschenkt Inhalte, die andere erarbeitet haben, und vermittelt die so gewonnene Aufmerksamkeit der Internetnutzer im Rahmen eines vollständig automatisierten Verkaufsprozesses an Inserenten.”
Die Marktmacht von Google macht schon seit Längerem auch Angst (Stichwörter: Googlezon und Googlefalle). Wie schreibt die Neue Zürcher Zeitung so richtig: “Besser wäre es schon, es gäbe zwei, drei, viele Googles.” Aber wer weiß, vielleicht bringt Web 3.0 ohnehin komplett andere Suchmaschinen? Das semantische Web verspricht uns Suchmöglichkeiten in einer ganz neuen Qualität, am E-Day der Wirtschaftskammer gab es dazu schon erste konkrete Ergebnisse. Für den PR-Bereich arbeitet die Initiative XPRL.org an der Leeds Metropolitan University an einer eXtensible PR Language. Als ersten Schritt wurden Prozess-Standards für die Medienarbeit entwickelt – gerade in der Medienbeobachtung könnte das ein Riesen-Schritt nach vorne werden.
Nicht immer ist das Internet primär Konkurrenz zum Buch, mitunter wird dadurch der Weg zum Gedruckten einfacher und billiger. Einige Anbieter im Web haben sich darauf spezialisiert, günstig oder sogar kostenlos Bücher zu drucken oder auch E-Books zu veröffentlichten. Die Hürde, ein Buch herauszubringen, ist damit deutlich niedriger geworden.
- Bei Books on Demand (BoD), ein Unternehmen des deutschen Buchgroßhändlers Libri, kommt man für 39 Euro zu einem Buch mit ISBN-Nummer, wenn man inkl. Layout & Lektorat alles selbst macht. Laut eigenen Angaben publiziert BoD bereits mehr als drei Prozent aller neu erscheinenden Buchtitel in Deutschland.
- Ähnlich ist das Angebot von Lulu, das Unternehmen lässt in Deutschland Bücher bei BoD drucken, schreibt zumindest das Literaturcafé.
- Und wer wissenschaftliche Arbeiten publizieren möchte, der wird beim GRIN Verlag fündig. Mehr dazu auch beim ViennaWriter’sBlog.
- Ein weiterer Anbieter ist Tredition.
Klassische Verlage und Buchhandlungen sind von dieser Entwicklung wenig begeistert. Für die meisten Autoren zählt aber ohnehin schlicht die Ehre, ein Buch veröffentlicht zu haben – unabhängig vom Erfolg beim Leser. Denn während die Anzahl der neuen Bücher steigt, gehen die Leserzahlen sukzessive zurück, schreibt gerade die New York Times.
Das Verfassen eines Buches wird für einige schon zu einer standardisierten Tätigkeit, wie etwa für Philip M. Parker. Der Professor of Management Science bei der Business School Insead hat bereits mehr als 200.000 Bücher veröffentlicht, ist ebenfalls in der New York Times zu lesen.
Wie das geht? Eine eigene Computerfarm hilft ihm dabei, öffentlich zugängliche Informationen zu einem Thema zu finden und dann in einem Buch zu veröffentlichen. Bei Amazon stehen sie dann zum Verkauf bereit.

Der jüngste Austrian Internet Monitor zeigt, dass Österreich im Zeitalter von Web 2.0 angekommen ist. Zumindest zum Teil: Networking-Plattformen werden jetzt von doppelt so vielen genutzt wie noch zu Jahresbeginn 2007 – beim Ranking liegt myspace.com voran, gefolgt von StudiVZ, an dritter Stelle liegen Facebook und Xing.
Auch die Besucher der Videoplattform YouTube.com haben sich seit Anfang 2007 verdoppelt: 44 % der Internet-Nutzer machen von ihr bereits Gebrauch. Ein Drittel der Internetanwender hat schon einen Kommentar auf einer Website hinterlassen. Ledlich zwei Prozent haben allerdings selbst einen Blog-Eintrag verfasst.
> Mehr dazu:
Pressetext.at
Wann haben Sie das letzte Mal einen Brief mit der Hand geschrieben? Ich könnte es nicht sagen. Was ich Tag für Tag anderen schreibe hat sich großteils in Richtung E-Mail, SMS und Skype verlagert. (Auf der Tastatur bin ich daher recht flott unterwegs. Wie schnell, ist beim Speed-Test zu finden.)
Handgeschriebenes hat schon Seltenheitswert - und wird deshalb wieder spannend. Seit einiger Zeit fallen mir Websites auf, die das bewusst aufgreifen. Da findet sich ein Post-It-Memo in Schreibschrift oder eine handgeschriebene Navigation. Und jetzt gibt es auch Ink Blogs, die sind zwar nicht wirklich mit Tinte geschrieben, sondern mit Tablet PCs, sind aber ähnlich schwer zu lesen. Anscheinend gilt: Je perfekter die Technik, desto skizzenhafter wird die Optik.
Vier Beispiele
Tintenblog
Sketchbook
Leistungsformel IBM Power Systems
willmann kochen
> Mehr dazu auch bei
Werbeblogger
Nachtrag:
Bei der norwegischen Plattform Sol Comments können User handschriftliche Kommentare abgeben. Ein “Pen Tablet” ermöglicht Texte oder Bilder in Echtzeit auf die Banner zu übertragen. Dafür gab es in Cannes den Cyber Grand Prix für Online Advertising.
In den letzten Tagen sind wieder jede Menge Studien zum Leseverhalten in Österreich herausgekommen. Hier ein kleiner Überblick, speziell für jene, denen die Begriffe nicht geläufig sind:
- Die Media-Analyse (MA) erhebt die Reichweite von Kaufmedien. Und weil viele Zeitungen durch mehrere Hände wandern, ist die meist um einiges höher als die Auflage. Die gesamte Reichweite ging 2007 zurück – Gratismedien und Internet schmälern das Publikum der traditionellen Medien – und das tut weh. Vielleicht darf die Quasi-Gratiszeitung Österreich künftig doch mitmachen? Nähere Informationen bei www.media-analyse.at.
- Die österreichische Auflagenkontrolle (ÖAK) misst die Auflagen von Kauf- und Gratismedien. Aussagekräftig ist vor allem die “verbreitete Auflage” und weniger die “Druckauflage”, da die meisten Medien automatisch weit mehr drucken als tatsächlich unter die Leute kommt. Nähere Informationen unter www.oeak.at.
- Alle zwei Jahre erscheint die Leseranalyse Entscheidungsträger (LAE), die Entscheidungsträger zu ihrem Leseverhalten befragt. Die Kronen Zeitung liegt mit ihrer Reichweite nicht nur insgesamt vorne, sondern auch bei den Entscheidern. Nähere Informationen beim Observer.
Financial Times und die Unternehmensberatung Bowen Craggs & Co. bewerteten zum zweiten Mal die Websites der 75 größten Unternehmen der Welt (gemessen am Börsewert). An die Spitze des Rankings schaffte es erneut der Internetauftritt von Siemens.
Kriterien für die Bewertung waren: Aufbau, Botschaft, Kontakt und die angebotenen Inhalte und Services für verschiedene Zielgruppen. Ein besonderes Plus bei Siemens waren die neuen Video- und Multimedia-Bereiche.
Das Ranking dominieren ansonsten viele Konzerne aus den USA, weitere Unternehmen aus Deutschland und Österreich sind nicht vertreten. Auf Platz fünf findet sich die Website von IBM, die ich zwar konzeptionell gut finde, aber mitunter sehr mühsam ist, wenn man konkrete Produktinfos sucht.
> Mehr dazu
FT Bowen Craggs Index
Die interne Kommunikation wird in vielen Unternehmen nach wie vor vernachlässigt. Immer wieder mache ich die Erfahrung, dass es nicht am mangelnden Bewusstsein, sondern an zwei ganz anderen Faktoren liegt: Es fehlt einfach an der Zeit oder am Wissen über das richtige Wie.
Gemeinsam mit drei Kolleginnen biete ich nun ein Paket für genau diese Anliegen an:
- Wir beraten Unternehmen, wie Maßnahmen der internen Kommunikation richtig auf die Schiene gestellt werden.
- Unser Team entwickelt Konzepte für interne Medien bis hin zur Mitarbeiterzeitung und übernimmt auch gerne die verlässliche Umsetzung in der Praxis – inkl. Texte und Produktion.
- Und natürlich sorgen wir auch für das richtige visuelle Outfit.
Unser Team:
Alexandra Kropf(Konzept, Redaktion, Text)
Daniela Pucher (Training, Coaching, Konzept, Redaktion, Text)
Gudrun Puhr (Konzept, Redaktion, Text)
Katrin Pfleger (Grafik, Produktion)
> Mehr dazu:
Claudia Mast / Katja Fiedler. Mitarbeiterzeitschriften im Zeitalter des Intranet.
Ergebnisse einer Umfrage bei Banken und Versicherungen. 2004
Wer im Journalismus etwas zu erzählen hat, pilgert im März zumindest in seinen Gedanken nach Boston: Dort versammelt die Nieman Conference on Narrative Journalism alljährlich die international führenden Erzähljournalisten.
Den Anstoß gab vor neun Jahren Mark Kramer mit der Konferenz „Aboard the Narrative Train“. Er hatte mit Büchern wie „Three Farms: Making Milk, Meat and Money from the American Soil“ (1980) einen anderen Zugang zum journalistischen Schreiben aufgezeigt. Die rein objektive Berichterstattung wurde um erzählerische Elemente ergänzt. Um die wirkliche Realität zu beschreiben, sollten die persönlichen Erfahrungen von Menschen in den Mittelpunkt gerückt werden.
Seit 2001 ist Mark Kramer nun Direktor des „Nieman Program on Narrative Journalism“, zur Konferenz pilgern mittlerweile mehr als 1.000 Teilnehmer an die Harvard University in Boston.
Ende März 2008 bei der letzten Nieman Conference on Narrative Journalism fand ein Referent ein besonders positives Echo: Josh Benton, Kolumnist bei den Dallas Morning News mit seinem Beitrag „Blogging for a Story: Telling tales in a format designed for the info-nugget“. In seinem Vortrag fand er viele Gemeinsamkeiten zwischen Blogging und narrativem Journalismus.
- Beide vermitteln persönliche Beobachtungen und Emotionen, die im üblichen Nachrichtenjournalismus unter den Tisch fallen.
- Beide fesseln durch ihre Lebendigkeit und Authentizität ihre Leser.
- Bloggen hat für ihn aber einen entscheidenden Vorteil: Blogger publizieren dank der heutigen Technik quasi in Echtzeit, klassischer Erzähljournalismus braucht demgegenüber mehr Zeit und ist damit im Nachteil.
Ich möchte noch zwei Aspekte ergänzen:
- Zunächst einen weiteren Unterschied: Während Erzähljournalismus ein Plädoyer der langen Texte abgibt, sind Blogs Botschafter kurzer und mitunter auch oberflächlicherer Texte.
- Ein Problem teilen beide Formen: Die Qualität sachlicher Richtigkeit kann in beiden Formen zu kurz kommen. Social Facts lassen sich schwer nachprüfen und die eilige Blog-Schreibe führt nicht nur zu gehäuften Tippfehlern.
Interessant ist auch die Relation zum Storytelling – im Titel von Bentons Referat klingt sie bereits an. Storytelling ist eine Disziplin, die sich seit 2001 als neue Schule in der Unternehmensführung durchgesetzt hat. Und ziemlich rasch hat sie sich auch in der Politik als Methode etabliert. Christian Salmon zeigt das sehr anschaulich in einem Beitrag in der Monde Diplomatique.
Er zitiert darin den Drehbuchautor Robert McKee, der einen starken Grund für den Erfolg des Storytellings nennt: „Der Schlüssel zu den Herzen der Menschen ist die gute Geschichte.“ Daher erzählen heute viele Unternehmen die Geschichte des Unternehmens, um für Produkte zu werben. Denn ein Produkt lässt sich viel einfacher mit einer erzählten Erfolgsgeschichte verkaufen als mit der Beschreibung seiner Vorzüge.
> Mehr dazu
Coolepark.de zur Konferenz in Boston
Message-online.com zum Erzähljournalismus
Zum Relaunch meines Blogs habe ich einige Freunde um ihre Meinung gebeten, eine Art Pretest also. Zwei Dinge waren beim Feedback für mich interessant:
1. Die Blogosphere ist – zumindest in Österreich – immer noch ein SEHR kleiner Zirkel. Die meisten meiner Freunde haben zu Blogs einfach noch keinen Zugang und wären dabei sehr wohl in der Kern-Zielgruppe. Gleich mehrmals bekam ich zu hören “eigentlich kenne ich mich mit den Blogs ja nicht wirklich aus…”.
2. Rechtschreibfehler sind ein absolutes No-No. In der letzten Zeile des Textes “Über mich” hatte ich einen Tippfehler übersehen, der prompt gleich von mehreren entdeckt wurde. Daran bleiben Leser einfach hängen – und es killt definitiv einen ansonsten noch so professionellen Auftritt. Ja, Blogs sind ein schnelles Medium, die Beiträge entstehen meist rasch und spontan, aber Zeit für eine Rechtschreibkontrolle muss auch hier sein. Das hat sich für mich damit eindeutig bestätigt.