Monthly Archive for August, 2009

Summertime V: Der eigenen Kreativität auf der Spur

SummertimeWie entsteht Kreativität? Jeder, der schon frustrierende Brainstorming-Sitzungen erlebt hat, mag seine eigenen diesbezüglichen Fähigkeiten in Zweifel ziehen. Und wollte doch nur mit dem falschen Weg das richtige Ziel erreichen. Denn kaum ein Instrument erweist sich als so wenig tauglich, kreative Prozesse in Gang zu bringen wie Brainstormings.

Warum sie dennoch nach wie vor zum Standard-Repertoire gehören? Weil Brainstormings auch einfach sind. Wer so mit dem Tagesgeschäft blockiert ist, dass keine Zeit bleibt, um von Grund auf Neues zu denken und zu entwickeln, der greift gerne zur wenig anstrengenden Notlösung: Ohne aufwändige Vorbereitung sitzt man einfach zusammen. Was so entsteht, sind Pseudo-Ideen und Aktionismus.

Mehr Heartstormings statt Brainstormings wünscht sich daher Gunter Duenk und stellt sich die Gretchenfragen: “Warum bereiten wir uns nicht vor? Warum arbeiten wir uns nicht vorher in die Problematik ein? Warum bringen wir nicht schon gute Ideen mit? Warum dürfen alle bei neuen Ideen mitmachen? Warum nicht nur die, die so etwas können und am besten ihre Fähigkeiten schon bewiesen haben? (Viele Kochlehrlinge verderben nicht nur den Brei, sie reden nur welchen.) Warum scheiden wir nicht schon vor dem Meeting unsinnige Ideen aus und reden nur über die, die es wert erscheinen?“ Und Kreativitätstrainer Mario Pricken kennt gleich elf Gründe, die gegen Brainstormings sprechen, von denen hier zwei zitiert seien:

Nummer 1: “Weil die Teilnehmer kein Wissen über den Kreativprozess oder kreative Denkstrategien besitzen und sich stattdessen zu 100 % auf ihre Intuition und Tagesverfassung verlassen müssen.”

Nummer 8: “Weil bereits tausende Menschen tausende Stunden vor Ihnen über das Thema nachgedacht haben. Freies Assoziieren, wie es im Brainstorming erfolgt, produziert meist nur leicht variierte Klischees. Für die Big-Idea sind gut präpariertes Material, tiefgreifendes Wissen und ungewöhnliche Methoden notwendig.”

Wie entstehen also Geistesblitze wirklich? Wie wird man zum kreativen Genie? Journalist und brand eins-Gründer Wolf Lotter gibt dazu eine wenig erfreuliche Bestandsaufnahme: Unser Wertekanon ist primär auf das Reproduzieren von Bestehendem ausgerichtet, Dinge sollen planvoll nach Mustern und Methoden gelöst werden, Abweichungen vom Mittelmaß werden nicht akzeptiert. Zugleich erleben wir heute aber eine entscheidende Entwicklung: Immer mehr Menschen arbeiten in Berufen, in denen Kreativität gefragt ist, Erfolg hat künftig, wer die besten Ideen hat.

Was also tun, wenn Kreativität immer mehr zur allgemeinen Erfolgsformel wird? Mehr Wissen über das Funktionieren kreativer Prozesse tut not. Zentral dabei ist das Konzept des Flow, vom Psychologen Mihaly Csikszentmihalyi: ein Zustand konzentrierter, schöpferischer Aktivität, in dem man völlig in seiner Tätigkeit versunken ist. Abseits jeglichen Zwangs und störender Außenfaktoren finden Aufmerksamkeit und Motivation zu einer produktiven, spielerischen Harmonie zusammen. Jeder hat solche Momente bereits erlebt, in denen er mit Spaß an der Sache etwas Gutes, Erfolgreichs entwickelte – und war damit kreativ.

Was kann man also tun, um solche Momente bewusst zu erreichen? Zunächst sind die Außenfaktoren wesentlich: Ruhe, kein Zwang, eine Umgebung, in der man gut und gerne arbeitet. Und dann gibt es bewährte Wege und Instrumente, die es zu erproben gibt. Denn jeder hat ein Stück weit einen individuellen Zugang, um gute Ideen zu entwickeln.

Dazu fünf Tipps als erste Fährte auf  der Spur zur eigenen Kreativität:

  1. Den Kreativitätstrainer Mario Pricken habe ich bereits erwähnt. Er ist Autor des Standard-Werkes “Kribbeln im Kopf“, das gleich mehrere sinnvolle Methoden beschreibt.
  2. Malcom Gladwell ist Journalist beim New Yorker und beschäftigt sich in seinen Büchern unter anderem damit, was gute, erfolgreiche Ideen ausmacht.
  3. Die Kreativitätstrainerin Anja Ebertz sagt: “Das Gehirn kann nicht aus Nichts etwas schaffen, ist aber exorbitant gut im Kombinieren. Das Geheimnis der Kreativität ist das flüssige Denken.” Um das in Gang zu setzen, empfiehlt sie einen vierstufigen kreativen Prozess und 10 Schitte zum Ideenrausch.
  4. Sehr bekannt ist mittlerweile das Konzept des Mind Mapping von Tony Buzan. Um eigene Ideen zu entwickeln, empfiehlt sich das Arbeiten auf einem großen Bogen Papier. Mindmap-Computerprogramme sind primär als Orginisationstool hilfreich.
  5. Gute Anstöße gibt schließlich auch das Buch “Der Weg des Künstlers im Beruf” von Mark Bryan. Es begleitet als mehrwöchiger Kursus auf eine Entdeckungsreise zur eigenen Kreativität.

Das war der letzte Teil der Sommerserie bei K2. Ich wünsche einen erfolgreichen Start in den Herbst!

Die anderen Folgen von Summertime:

Twitter for Beginners

Grafik für Nicht-Grafiker

Überraschend anders präsentieren

Effizienter e-mailen

Der Weg des Künstlers im Beruf

Highlight-Ranking von Computer-Programmen

54 Softwareprogramme nutzt ein Computer-User durchschnittlich, weiß das Web-Tool Wakoopa. Nicht wenig eigentlich. Bei mir ging die Zahl sicher gerade etwas nach unten. Beim Wechsel auf einen neuen Computer kamen mir wieder einige Tools abhanden und neu installiert wird nur, was man wirklich vermisst. Dafür sind Windows 7 und die Office 2007 Programme wirklich fein beim Arbeiten, die Usability ist deutlich besser, die Symbole endlich wieder deutlich größer. So findet man deutlich rascher die gesuchte Funktion. Und insgesamt ging der Wechsel erstaunlich gut. Vorbei die Zeiten, als das Aufsetzen eines Systems einen unerwartet für längere Zeit außer Gefecht setzte.

Bei Wakoopa interessant: Das Tool checkt permanent, welche Programme die registrierten User verwenden. Das Ranking des letzten Monats sieht so aus:

# 1.Safari
# 2.Twitter
# 3.Gmail
# 4.WebKit
# 5.QuickTime Player
# 6.Google Reader
# 7.TextMate
# 8.YouTube
# 9.Adobe Photoshop
# 10.Pages

Das mag für nichts repräsentativ sein. Aber was doch auffällt: Es dominieren Web-Applikationen und Microsoft-Programme sind überhaupt nicht darunter.

Sich im Web authentisch und unverwechselbar präsentieren

Den ersten Eindruck über ein Unternehmen verschaffen wir uns heute meist online und nicht Face to Face. Dort gleicht aber oft eine Website der anderen. Dieser anonyme Einheitsbrei ist verhängnisvoll: Denn wie soll ein potenzieller Kunde so Hilfe zur Entscheidungsfindung bekommen? Er sucht auf der Website eines Anbieters nach Argumenten, warum er sich gerade für ihn entscheiden sollte. Und dabei spielt dessen Persönlichkeit eine wesentliche Rolle.

Denn Kunden wählen oft nicht einfach ein Produkt, sondern eine Person. Daher ist es gerade im anonymen Umfeld des Internets so wichtig, sich mit einem unverwechselbaren Profil zu präsentieren. Wie das geht, beschreibt ein neuer Kurs von mir bei der Weiterbildungplattform Akademie.de.

Die Kapitel

  • Trauen Sie sich, Ihrer Website ein persönliches Gesicht zu geben!
  • Die Elemente, die eine Website unverwechselbar und persönlich machen
  • Persönliche Startseite
  • Ihre Profilseite
  • Weitere Services und Personalisierung-Optionen in anderen Website-Bereichen
  • Personal Branding abseits der eigenen Website
  • Die Umsetzung: Nun sind Sie an der Reihe

> Mehr dazu:
Personal Branding – zeigen Sie Gesicht im Web! Wie Sie Ihrer Unternehmens-Website eine unverwechselbare Note geben

Summertime IV: Effizienter e-mailen

SummertimeAls rasches, unkompliziertes Tool hat E-Mailen das Marketing und die alltägliche Büro-Arbeit in den letzten Jahren stark verändert – mit einer enormen Effizienz hinsichtlich Zeit- und Kostenaufwand.

E-Mail-Marketing wird in den USA als das leistungsstärkste Marketingsinstrument eingeschätzt (mit einer Zustimmung von 80 Prozent) und ein Viertel des Online-Handels ist heute auf einen E-Mail-Anstoß zurückzuführen. Das schreibt zumindest Torsten Schwarz in “Praxistipps E-Mail-Marketing 2.0“. E-Mails waren jüngst etwa das Basismedium in Obamas erfolgreicher Wahlkampagne.

Aber erweist sich E-Mail im täglichen Arbeiten wirklich als Segen? Rund 35 Mrd. E-Mails werden laut IDC an jedem Werktag verschickt. Die Inflation an E-Mails in den Inboxen wird zunehmend zum Problem. Gerade wer in größeren Konzernen arbeitet, fühlt sich schon alleine mit unternehmensinternen Nachrichten überhäuft und das Löschen von Spam erfordert immer mehr Zeit.

Ein typischer Sachbearbeiter verbringt mittlerweile 40 Prozent seiner Arbeiszeit für das Handling der E-Mails. Das schätzen Mike Song, Vicki Halsey und Tim Burress in ihrem Buch “Die Hamsterrevolution. Vier Strategien gegen das tägliche E-Mail-Chaos”. Vielleicht ist die Zahl etwas überzogen, aber sie zeigt eine grundsätzliche Einordnung und die Dimension des Problems. Ein simples Beispiel illustriert, wie sehr unser Arbeiten vom E-Mailen dominiert und oft auch blockiert ist. Ein Sachbearbeiter erhält und versendet pro Tag zum Beispiel 50 E-Mails. Die Autoren rechnen weiter: In einem Jahr ergibt das 12.200 Nachrichten oder 50 Arbeitstage, die mit dem E-Mailen verbracht werden. Das ist nicht wenig, konsequentes Ziel sollte also sein, die E-Mail-Flut zu verringern. Denn das Resultat wäre beachtlich: Bereits eine Reduktion des Nachrichtenaufkommens um 20 Prozent summiert sich in diesem Beispiel innerhalb eines Jahres zu einer Einsparung von zehn ganzen Arbeitstagen.

Wie kämpft man aber erfolgreich gegen die E-Mail-Flut an? Das Buch “Die Hamsterrevolution” stellt dazu 4 Strategien vor:

1. E-Mail-Volumen reduzieren

Zunächst heißt es einmal selbst weniger senden: Wer weniger Nachrichten verschickt, erhält auch weniger. Weiter gedacht sollte man generell überlegter e-mailen. Empfänger würden gerne auf so manches belanglose Informieren (“zu Ihrer Information”), redundantes Wiederholen, Bestätigen oder höfliches Dankesagen  verzichten – sehr viele solcher Nachrichten sind nicht notwendig und tragen primär zu vollen Inboxen bei. Das gilt gerade auch für CC-Nachrichten. Darüber hinaus gilt es auf vollständige Nachrichten zu achten: Es erfreut den Empfänger ungemein, alle Informationen zu einem Thema in einem E-Mail zu erhalten und nicht  häppchenweise.

2. E-Mail-Qualität verbessern

Gestaltung und Betreff sind zwei wesentliche Faktoren, um die Qualität einer Nachricht zu steigern. Ein aussagekräftiger Betreff ist für Empfänger und Absender gleichermaßen eine Wohltat (gerade auch bei der Weiterbearbeitung und beim späteren Wiederauffinden einer Nachricht). Und manchmal lässt sich der gesamte Inhalt gleich in den Betreff packen. Zum Beispiel bei einer Erledigt-Benachrichtigung. Mit einem Hinweis “EdN” (Ende der Nachricht) signalisiert man dann dem Empfänger, dass er den Haupttext der Nachricht nicht mehr anzusehen braucht.

Die Gestaltung von E-Mails wird oft sträflich vernachlässigt. Allzu viel Aufwand ist auch nicht nötig (und möglich). Einige grundsätzliche Regeln aber entscheidend, bei K2 waren sie schon ausführlich zu lesen.

3. Info-Training

Mike Song und seine Co-Autoren schlagen vor, eigene Informations-Trainer in einem Unternehmen zu qualifizieren, die den richtigen Umgang mit E-Mails im eigenen Betrieb weitergeben und interne Organisations-Strategien entwickeln. Das kann in größeren Unternehmen wirklich sinnvoll sein.

4. Das KOTA-System

Dieses System schlägt vor, E-Mails in 4 Ordnern zu strukturieren: Kunde – Output – Team – Administration. Es ist eine mögliche Systematik, mir persönlich sagt dieser Vorschlag nicht zu. Aber das Anliegen dahinter stimmt: Ordnung ist der halbe E-Mail-Himmel. Wer für das richtige System Inspiration sucht, ist auch beim Blog von Nick Cernis richtig. Und denken sollte man auch an die vielen Transaktions-Mails, Newsletter und dergleichen: Dafür am besten gleich eigene Eingangsordner anlegen – damit diese Nachrichten nicht die Inbox füllen und wichtige Mails dazwischen übersehen werden.

Überlegter E-Mailen ist ein Geschenk an sich selbst und an andere. Man sollte damit jetzt beginnen.

> Mehr dazu:

Serie bei K2: Die besten E-Mail-Tipps

Mike Song, Vicki Halsey und Tim Burress
Die Hamsterrevolution. Vier Strategien gegen das tägliche E-Mail-Chaos
Gabal Verlag 2007


> Das nächste Mal:

Summertime V: Der eigenen Kreativität auf der Spur

Alle Beiträge der Serie Summertime

Summertime III: Überraschend anders präsentieren

Summertime bei K2Powerpoint-Präsentationen werden meist ohne Profi-Unterstützung fabriziert: Mit zu viel Text und unpassender Gestaltung sind sie für das Publikum oft eine Qual. Dass es anders geht, zeigt das das Buch “Presentation Zen“, zu dem es auch ein lesenswertes Blog gibt.

Vier Anstöße für bessere Powerpoint-Präsentationen aus dem Buch:

1.
Entscheidend ist, sich genug Zeit für die Vorbereitung zu nehmen. Hier gilt es herauszuarbeiten: Was ist die Kernaussage? Warum gerade das? An welches Detail sollen sich die Zuhörer erinnern?

2.
Eine Präsentation erzählt eine Story. Griffige Beispiele, Geschichten, Unerwartetes, Emotionen helfen, in den Köpfen des Publikums zu bleiben.

3.
Beim Design ist Schlichtheit das Ziel – die meisten Präsentationen sind zu überfrachtet. Auf Nebensächliches und 3D-Effekte verzichten! Entscheidend ist das optimale Verhältnis zwischen Zeichen und Unschärfe (Signal-to-Noise-Ratio): das Verhältnis von relevanten und irrelevanten Informationen. Bei jedem Element ist zu überprüfen: Kann es entfernt werden, ohne die visuelle Kernaussage zu verwässern?

4.
Leerraum macht Folien interessanter, übersichtlicher, aussagekräftiger. Auf vielen Folien sind fünf Wörter genug – so sind die Zuhörer durch das Lesen der Folien nicht vom Vortrag abgelenkt.

Ganz ohne Powerpoint geht es vielleicht noch besser: Mit dem Präsentations-Editor Prezi lassen sich beeindruckende Präsentationen mit Bildern und Videos machen (und mit GANZ WENIG TEXT…).

> Mehr dazu:

Garr Reynolds.
ZEN oder die Kunst der Präsentation. Addison-Wesley 2008.

> Das nächste Mal:

Summertime IV: Effizienter E-Mailen

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