brand eins über PR: zu Interessen stehen

Den Themen Kommunikation und PR ist die Februar-Ausgabe von brand eins gewidmet. Der Schwerpunkt erfreut zum Intro mit einem Blick in den Papierkorb der Redaktion – da tummeln sich viele abstruse Themen-Angebote . Wie in vielen anderen Medien auch, die darüber immer wieder mal Dampf ablassen.

Das Unangenehme daran: Inmitten dieses ganzen E-Mülls geht so manches brauchbare Thema unter. Einfach, weil man als Journalist genervt ist.  Und mit der Selektion aus dieser Überfülle überfordert ist. Die großen Namen erwischt es dabei natürlich weit seltener als kleinere und unbekanntere Unternehmen. Das und die neue Welt der Social Media machen PR-Arbeit weiterhin recht herausfordernd und spannend.

Gabriele Fischer schreibt im Editorial von brand eins: “Journalisten wollen was rauskriegen, PR-Leute wollen was reindrücken.” Wolf Lotter widmet unter dem Titel “Propaganda” genau dem einen ausführlichen Essay.

Darin fordert er die Public Relations dazu auf, sich von hübsch ethisch ausgestalteten Kodices und ihren Ansprüchen nach “Objektivität”, “Authentizität” und “Wahrhaftigkeit” zu verabschieden: “Klartext wird gebraucht, also jene PR, die nicht so tut, als sei sie allem und jedem verpflichtet, sondern eine PR, die Interessen klar und deutlich vertritt.”

Denn genau dann erfüllten  sie ein urdemokratisches Prinzip: dem Aushandeln von Interessen.  Und nur genau dann wären Gespräche auch interessant, wenn die unterschiedlichen Interessen deutlich werden. Schließlich gelte auch: “Das Gegenteil von Interesse ist uninteressant.”

Damit widerlegt Lotter allerdings nur den Anspruch nach Objektivität. Das zwar zu Recht – auch in meiner PR-Arbeit ist immer klar, wessen Interessen ich vertrete. Die beiden anderen Postulate  nach Authentizität und Wahrhaftigkeit erachte ich jedoch als essenziell: PR-Arbeit muss immer das Selbstverständnis des Unternehmens widerspiegeln und Kommuniziertes muss wahr sein – alles andere führt auf die Dauer zu keinem erfolgreichen Ergebnis.

Dafür ist der Beitrag über die Kommunikations-Probleme der Fluglinie Quantas in der Februar-Ausgabe von brand eins das beste Beispiel.

> Mehr dazu:

brand eins Feber 2009

2 Responses to “brand eins über PR: zu Interessen stehen”


  • Danke für diesen Blogbeitrag und danke an Wolf Lotter, den ich lange kenne und schätze für diesen grandiosen Artikel, den ich mir als Pflichtlektüre wünsche – für Lehrende und jeden, der mit PR und/oder Journalismus auch nur im weitesten Sinne zu tun hat. Der Essay ist komplexer als es den Anschein hat, man muss sich darauf einlassen – mich machte er zu Beginn aggressiv, dann erst nachdenklich, ein guter journalistischer Schachzug. Auch ich erachte die Postulate nach Authentizität und Wahrhaftigkeit als essenziell und ich glaube, diesen Artikel kann man nur dann so schreiben und denken, wenn man schon lange in der Branche ist. Für Beginners empfehle ich DRINGEND als drittes Postulat die Objektivität, die Wolf Lotter so sophisticated zu wiederlegen versteht. Sie muss oberstes Gebot sein. Und übrigens: Auch Träumen muss immer erlaubt sein. Auch für PR-Leute ;-)

  • Ja, ich schätze die Schwerpunkte von Wolf Lotter in brand eins auch sehr. Und fand gerade den aktuellen sehr mutig und gelungen. Auch ich habe bei mancher Aussage zuerst verärgert reagiert. Aber gerade diese fordernde Auseinandersetzung ist das Spannende. Ein Artikel, bei dem ich nur beipflichtend den Kopf nicke, hält mich nicht mehrere Seiten lang am Lesen, sondern ist einfach UNINTERESSANT. Und damit sind wir wieder beim Thema INTERESSE. Danke auch für den Pingback, ich finde recht INTERESSANT, was die Semantic Web Company macht.

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