Archive for the 'Marketing' Category

Der erste Eindruck

Eine Bekannte von mir war zum Start ihres Unternehmens auf der Suche nach einem grafischen Auftritt und dachte sich bei einem empfohlenen Werbeberater in guten Händen. Zum ersten gemeinsamen Gespräch kam dieser auch gleich mit vollen Händen. Da lag schon ein Konzeptpapier mit vielen trefflichen Überlegungen am Tisch: zur eigenen Position in fünf Jahren, zu Empfehlungen im Kundendialog und vielem mehr.

Allein: Die Freude an all den Mühen war gering. Denn erstens war all das überhaupt nicht ihr Anliegen gewesen: Sie wollte zunächst schlichtweg grafische Basics. Und zweitens hatte ihr der Berater ja noch gar nicht zugehört. Quasi auf Blindflug hatte er sich vieles einfallen lassen (oder von einem vorhandenen Konzept übernommen). So gut all das vielleicht gemeint war, es war doch eine völlige Themenverfehlung, die sich klar nachteilig auswirkte: Nach diesem ersten Eindruck entschied die Jungunternehmerin, sich doch nach einem anderen Anbieter umzusehen.

Eine einfache Begebenheit, aus der sich so Manches erschließen lässt: Ohne Briefinggespräch lässt sich keine treffende Lösung entwickeln. Und dem Kunden zunächst einmal zuzuhören ist eine echte Tugend, gerade für Berater. Die richtigen Lösungen kennt man nicht im Vorhinein – und oft nicht einmal direkt nach einem Gespräch. Im Endeffekt macht es sich für alle bezahlt,  überlegt eine eigene Lösung entwickeln, als die übliche  Standardlösung zu präsentieren.

Weltmeisterschaft der Trittbrettfahrer

Am Freitag, 11. Juni 2010 startet die Fußball-WM in Südafrika, sogar der Kulturmontag auf ORF 1 ist schon im Fußballfieber. In der Werbung laufen bereits eine ganze Zeit lang Kampagnen zur WM. Im deutschen Horizont war jetzt zu lesen, welche Marken dabei besonders punkten: Eindeutig am meisten Aufmerksamkeit zog demnach Nutella auf sich: 23,1 Prozent der Befragten einer Umfrage des Link-Instituts ist diese Werbung aufgefallen. An zweiter Stelle liegt Bitburger mit 10,9 Prozent, Coca-Cola folgt mit 10,4 Prozent.

Sport-Großveranstaltungen sind immer auch eine Bühne für Trittbrettfahrer, die mit smartem Ambush-Marketing vom Kuchen mitnaschen. Volkswagen gelingt das wiederum sehr gut. Ebenso wie bei der EXPO in Shanghai ist der Konzern zwar nicht Sponsor, nützt das Ereignis aber geschickt aus. Das Ergebnis: 9,3 Prozent der von Link Befragten ist die WM-Kampagne von VW besonders aufgefallen.

Media Markt ist ebenso geschickt beim WM-Marketing und startete rechtzeitig vor Südafrika ein eigenes Online-Game. Dabei können Amateur-Kicker ihr Können als Goalkeeper unter Beweis stellen. Dazu gibt es auch eine Fanseite bei Facebook. Südafrika ist überhaupt die erste WM, bei der Social-Media eine große Rolle spielen werden – und Facebook liegt dabei unangefochten an der Spitze.

>Mehr dazu:

WM-Game von Media Markt

Eine Zeitreise durch Deutschland

Dank der Vulkanwolke war ich letztens spontanerweise im Liegewagen quer durch Deutschland und bis nach Wien unterwegs. Statt 2 Stunden zu fliegen insgesamt 20 Stunden unterwegs zu sein, war nicht lustig, aber ich war froh, so doch in einem planbaren Zeitraum anzukommen.

Nur: Der direkte Vergleich zwischen Hin- und Rückreise war drastisch. Mit dem Zug reisen ist nicht nur um Einiges teurer als fliegen, sondern vor allem deutlich weniger komfortabel. Die Mitarbeiter der Deutschen Bahn waren alle ausnehmend hilfsbereit. Doch alle Freundlichkeit nützt nichts bei der gebotenen Qualität des Liegewagens und des Services: Ein Schaffner betreute mehrere Wägen, gastronomische Versorgung war praktisch nicht vorhanden und in den engen, ruckelnden Abteilen war nicht wirklich an einen erholsamen Schlaf zu denken.

Am nächsten Tag im ICE sah die Welt schon weit freundlicher aus. Mit diesem Format und auf diesen Distanzen hat die Bahn wohl auch weiterhin Zukunft, die Übernachtzüge werden es wohl nur dann haben, wenn sich beim Mitbewerber Flugzeug Dramatisches ändert. Darüber können selbst die illusionistischten Anzeigen nicht hinwegtäuschen. Denn just im Bord-Magazin des ICE fiel mir eine Anzeige für Reisen im Liegewagen in die Hände.

Die hübsche Dame inmitten ihrer persilweißen Pölsterchen mag überall aufgenommen worden sein, nur nicht in einem echten Liegewagen. “Augen zu und da” dichtete dazu ein nichtsahnender Texter als Headline und setzte im Copy-Text noch eines drauf: “Unterwegs schlafen, morgens ausgeschlafen ankommen und den Urlaub ab dem ersten Tag genießen.” Ja, liebe Kreative, texten kann man viel, aber wer will es auch glauben, 0der nach dem ersten Versuch nochmals wagen?

Die wahre Pointe kam allerdings ein paar Seiten weiter im selben Bord-Magazin: Ein Beitrag über 175 Jahre Eisenbahn in Deutschland zeigte nämlich mit einem Bild, wie es sich tatsächlich im Liegewagen reisen lässt. Allerdings war das Foto bereits im Jahr 1955 aufgenommen worden. 55 Jahre später ruckeln noch genau dieselben Liegewägen durch Deutschland und Österreich – inklusive ihren vergammelten Decken, wackeligen Leitern und altertümlichen Schaltern.

Diesseits der Trampelpfade – ungewöhnliche Werbe- und PR-Aktionen

Mit welchen ungewöhnlichen Aktionen macht man auf ein Unternehmen aufmerksam? PR-Doktor Kerstin Hoffmann sammelt dazu Ideen bei einer neuen Blogparade zum Thema:

“Diesseits der Trampelpfade – ungewöhnliche Werbe- und PR-Aktionen”. Ab heute bis 30. Juni 2010.

E-Mail-Marketing in Zeiten des Social Webs

Die US-Organisation MarketingSherpa ist schon seit Langem internationaler Guru zum Thema E-Mail-Marketing. In München veranstaltete die Organisation soeben ein E-Mail Summit mit neuesten Trends zum Thema.

Mark Philipp von GermanWings zeigte sich dabei überzeugt: “Everybody is talking about social media, while e-mail marketing is still making all the sales.

Auch wenn der Hype um das Social Web groß sein mag, ist das doch etwas überzeichnet. Gerade, wenn man sich die Entwicklung in den USA ansieht. Facebook hat dort Google im März 2010 schon einmal als meistbesuchte Website überholt. Mit standortbezogenen Angeboten ist in den USA bereits die nächste Generation an Diensten im Aufwind. “Macht im Internet hat eine kurze Halbwertszeit”, stellt dazu das Blog Off the Record fest.

Aktivitäten im Social Web lassen sich für Unternehmen nicht so ohne Weiteres in gesteigerte Umsatzzahlen umlegen, einige Befragungsergebnisse sind dennoch interessant. Die deutsche Wochenzeitung Horizont zitiert etwa in der Ausgabe vom 18. März 2010 eine Studie des Marketing-Unternehmens Hubspot. Demnach sagen 68 Prozent der US-Unternehmen, dass sie über Facebook Kunden gewonnen haben. McKinsey und Google haben erhoben, dass der Pro-Kopf-Umsatz von Unternehmen, die in Netzwerken überdurchschnittlich aktiv sind, deutlich höher ist als bei Händlern, die auf solchen Plattformen nicht aktiv sind. Und laut einer Erhebung von Razorfish haben 65 Prozent der Befragten ihre Meinung über eine Marke nach einer Begegnung mit ihr im Netz verändert.

> Mehr zum E-Mail Summit bei dialogMail

Twitter oder Facebook?

Twitter oder Facebook? Das werde ich in letzter Zeit häufig gefragt. Immer mehr Unternehmen wollen den Social-Media-Boom nicht verpassen, die eigenen Ressourcen dabei aber effizient einsetzen. Auf welches Portal soll man also setzen?

Foto: luagamol - Fotolia.com

Sowohl Facebook als auch Twitter haben in den letzten Monaten einen enormen Aufschwung erlebt. Sicher, nach wie vor sind sie Medien, die primär von jungen Usern verwendet werden. Aber: Die über 35-Jährigen sind die am stärksten wachsende User-Gruppe bei Facebook. Ein Drittel der US-Unternehmen ist laut Dr. Web bereits bei Facebook präsent – in Deutschland sind es demgegenüber nur 4 Prozent der DAX-Unternehmen.

Laut einer Studie vom Dezember 2009 ist Twitter aktuell die beliebteste Social-Media-Plattform in Deutschland. Eine Befragung der Universität Oldenburg und der Agentur construktiv hat ergeben, dass 39 Prozent der werbestärksten Unternehmen Deutschlands bereits diesen Microblogging-Dienst nutzen. Auf Facebook sind demnach nur 28 Prozent vertreten, YouTube kommt auf 37 Prozent. Damit ist gleich der Name eines dritten Social-Media-Portals gefallen – viele weitere ließen sich hinzufügen. Und welches ist nun wirklich die richtige Wahl?

Dazu ein kurzer Exkurs zu meinen persönlichen Erfahrungen: Ich selbst nutze Twitter seit rund einem Jahr – und war wirklich überrascht, wie viel Interessantes das Prinzip der Serendipity bei Twitter zu Tage bringt. Der Zeitfaktor ist jedoch nicht unerheblich: Ich nutze Twitter weit weniger, als ich gerne möchte und zugleich deutlich länger als ich im Hinblick auf die Zeiteffizienz eigentlich sollte.

Das Thema Zeit war für mich entscheidend, Facebook lange links liegen zu lassen, das ich auch primär als privates Portal sah. Das hat sich definitiv geändert, war meine Erfahrung, als ich mich vor Kurzem doch bei Facebook registrierte. Innerhalb weniger Tage kamen mehrere Anfragen von beruflichen Kontakten aus anderen Social-Networks. Diese strikte Trennlinie – hier private, dort berufliche Social-Media – lässt sich nicht ziehen. Immer mehr Unternehmen nutzen Facebook aus rein beruflichen Gründen – und das erfolgreich.

Das macht die Social-Media-Entscheidung nicht gerade leichter. Ein Blick auf die reinen Nutzerzahlen hilft hier auch nicht weiter. Sie ändern sich ohnehin permanent und im Web 2.0 sind auch ganz andere Faktoren wesentlich: Wie viele Multiplikatoren kann ich über ein Portal erreichen, welche Art von Inhalten habe ich, welche Image-Messages sende ich aus…? (PR-Blogger Klaus Eck zeigt in einer Prezi-Präsentation dazu interessante Faktoren auf.)

Darauf kommt es also an, bevor man seine eigene Social-Media-Strategie findet: Sich zunächst im Web 2.0 umsehen und Fragen stellen. Was machen andere im beruflichen Umfeld? Was spricht mich positiv an? Was passt zu mir und meiner persönlichen Positionierung? Und dann nach etwas Sondieren selbst starten. Das Social-Web ist (noch) ein großes Experimentierfeld – mit allen Vor- und Nachteilen. Das heißt auch: Die Augen offen halten für die weitere Entwicklung und immer wieder evaluieren: Was tut sich, ist das noch der richtige Weg? Was wäre sonst noch möglich?

> Mehr dazu:

ComMetrics – Social media: What is so special?

Anders denken – Warum Sie jetzt aufhören sollten zu bloggen

PR-Blogger – Denken Sie an den Twitterfaktor

Unternehmer.de – Reputation in Gefahr

Harvard Business Review – Twitter Research

Das Jahrzehnt des Kundennutzens?

Wenn eine Profi-Bloggerin zu einer Blogparade aufruft, kann daraus ein wirklich brauchbares Resultat entstehen. So geschehen bei der Blogparade zum Thema Kundennutzen von PR-Doktor Kerstin Hoffmann. Sämtliche Beiträge der 39 Teilnehmer (unter anderem auch von mir) sind jetzt in einem E-Book zu finden.

Sehr kompakt und vielseitig versammelt es manch brauchbaren Input, um den Nutzen für den Kunden erfolgreich zu finden und zu kommunizieren.  Gerade richtig zum Beginn des neuen Jahrzehnts lässt sich damit sicher der eine oder andere Anstoß für die eigene Arbeit finden. Und es wäre nicht das Schlechteste, wenn  der Kundennutzen uns im neuen Jahrzehnt etwas häufiger begegnet. Also am besten gleich downloaden und einen Blick hineinwerfen:

Kerstin Hoffmann (Hrsg.).  Handbuch Kundennutzern. Erfolgreich vermarkten und verkaufen.

Zeit für Weihnachten

Die letzten Projekte sind (fast) abgeschlossen, einige Weihnachtsmails werden wohl noch eintrudeln. Aber ansonsten ist jetzt einmal Pause bis zum neuen Jahr angesagt, für meine Agentur und hier auf dem Blog.

Wer von  Weihnachten und den vielerlei Grüßen noch nicht genug hat, kann noch bei den Ergebnissen der “großen unrepräsentativen Weihnachtsumfrage” der deutschen Agentur Script vorbeischauen: Für 3/4 der der Befragten ist die Weihnachtskartenschreiberei alles andere als lästige Pflicht. Fast die Hälfte stellt die erhaltene Weihnachtspost als Galerie auf und hebt die orginiellsten Karten auf.

> Mehr dazu:

Weihnachtskartenumfrage Script

Mario Pricken und der Clou

Mario Pricken ist seit seinem Buch “Kribbeln im Kopf” ein Guru der Kreativ-Szene. Nun hat er ein neues Werk geschrieben: “Clou” lautet knapp  die Headline, gefolgt von der ausufernden Subline: “Strategisches Ideenmanagement in Marketing, Werbung, Medien & Design: Wie innovative Ideenschmieden die Alchemie der Kreativität nutzen”.

Auf mehr als 300 Seiten gibt Mario Pricken der Idee des zufälligen Ideensprudelns eine Abfuhr, da so primär Mehr vom Gleichen produziert wird. Der Autor fordert den Aufbau einer eigenen “Creative Culture” und das heißt auch Abschied vom Branchenautismus zu nehmen: Mit einer inspirierenden Brise von außen ließe sich die nächste Big Idea weit zuverlässiger finden. Und anstatt aufwändige Motivationsprogramme einzuführen sollten die typischen Motivationskiller in Unternehmen unterbunden werden. Allen voran: unklare Ziele, Brainstorming-Sitzungen und mehr Kritik als Lob. Bei vielem mag man sagen: ja, eh klar. Aber es stimmt schon: Genau bei diesen simplen Dingen liegen die Stolpersteine auf dem Weg zu wirklich neuen Ideen.

Mario Pricken
Clou. Strategisches Ideenmanagement in Marketing, Werbung, Medien & Design: Wie innovative Ideenschmieden die Alchemie der Kreativität nutzen
Verlag Hermann Schmidt Mainz 2009

Fortschritt nach Plan – das gibt’s nicht

Metropolis“Fortschritt ist nur möglich, wenn intelligent gegen Regeln verstoßen wird.” Diesen Satz stellte Gabriele Zuna-Kratky letzte Woche an den Beginn ihres Statements beim Tag der Frauen in der Wirtschaft in Wien. Exakt planen ließe sich Fortschritt schon überhaupt nicht, fuhr die Direktorin des Technischen Museums fort und gab auch gleich einige Beispiele: Visionen aus den 1960er Jahren sahen zum Beispiel den Verkehr im Jahr 2000 primär unter der Erde fließen oder auf Luftkissen über dem Boden schweben. Die großen technischen Veränderungen passierten tatsächlich in ganz unerwarteten Bereichen. Denn Erfindungen wie dem Internet oder dem PC wurden zunächst wenig Erfolgsaussichten zugeschrieben.

Die eindeutige Erkenntnis daraus: Technischer Fortschritt ist nicht vorhersehbar. Aber es lassen sich Techniktreiber identifizieren. Aktuell sind das die Medizin-Technik, die Informationstechnologie und die Bereiche Umwelt & Verkehr. Aber wohin die Reise in diesen drei Feldern führt, das wird uns die Zukunft erst zeigen.

> Mehr dazu:

Geschichte des Internet – von Arpanet bis Twitter (Englisch)

13. Tag der Frauen in der Wirtschaft